Ein typisches Gespräch zum Thema Wiedereinstieg in den Job nach der Elternzeit verläuft so

” Wann fängst du denn wieder an zu arbeiten ?”

” Am 01.07.”

” ah ist ja nicht mehr so lange , das wird ne ganz schöne Umstellung werden . Aber du machst ja sicher eh erst mal nur ein paar Stunden oder?”

ja genau . Ich mache Teilzeit mit 30 Stunden “

” WAAAAAS? So viele Stunden machst du ?” Und wo ist deine Kleine in der Zeit ? Boah heftig !”

So oder so ähnlich geht das . Ich kann vorher schon meinen Ar…. drauf verwetten , dass mein Gegenüber eine überraschte Reaktion auf meine Wochenstunden zeigt und förmlich aus den Latschen kippt.

Rike Drust schreibt in ihrem Buch Muttergefühle , neues Kind ,neues Glück zum Thema Berufstätigkeit der Frau folgendes:

Mein Job ist für mich Geldverdienen und Selbstverwirklichung, und deshalb bin ich so wütend, wenn Leute behaupten,.. , dass Kinderkriegen bedeutet, der Mann macht weiter wie vorher, und die Frau muss plötzlich leben wie 1950 , nur mit Spülmaschine.

Muttergefühle , neues Kind ,neues Glück
Muttergefühle. Zwei: Neues Kind, neues Glück
  • 304 Seiten - 04.09.2017 (Veröffentlichungsdatum) - C. Bertelsmann Verlag (Herausgeber)

Heutzutage ist es immer noch überall in den Köpfen der Gesellschaft, dass die Mutter ” mit ein paar Stündchen” wieder in den Job zurückkehrt. Ein kleines Taschengeld in die Familienkasse einzahlt und der Mann der große Versorger ist. An Muttis Rente denkt sowieso erstmal niemand.

In meinen ganzen Mutti Kursen bin ich wirklich die einzige Mama, die mit soviel Wochenstunden wieder einsteigt! Mich überrascht das schon. Viele starten mit 15-20 Stunden.

Durch meine Arbeit trage ich zum Familieneinkommen bei , muss aber bei dieser Arbeit dafür sorgen, dass ich als Mutter weiterhin für mehr verantwortlich bin als der Vater. Ich schwöre, ich habe versucht, aus der Müttersache eine Elternsache zu machen,…

Muttergefühle , neues Kind ,neues Glück

Die Vereinbarkeit geht auch dem Mann was an. Sobald ich arbeiten gehe , muss mein Mann an meinen langen Arbeitstagen unser Kind abholen und versorgen. Auch er muss dann einkaufen, den Haushalt machen, Papierkram machen, die Steuer, Rechnungen Bezahlen, usw….

Während meiner Elternzeit habe ich meinem Mann so gut es ging den Rücken freigehalten. Er konnte nach seiner getanen Arbeit sich spontan mit Freunden treffen oder überhaupt spontan irgendwohin.

Als die Autos zum TÜV mussten verzichtete ich aufs Auto . Eins hatte der Mann das andere brachte ich zum TÜV / Werkstatt.

Als sein Wagen aufgrund einer Rückrufaktion wieder in die Werkstatt musste übernahm ich das.

Als die Katze zum Tierarzt musste oder die neue Waschmaschine geliefert wurde war ich stets zur Stelle.

Alle Kinderarzttermine habe ich wahrgenommen .

Das tägliche Küchenchaos und den immervollen Wäschekorb bekämpfe ich tagaus tagein.

Und was zu essen muss ja auch noch auf den Tisch.

Ich weiß, dass jetzt manche denken könnten ” Ach die Mutti stellt sich jetzt so dar, als würde sie richtig knüppeln. Ne ne so ist das nicht. Meine Elternzeit war eine sehr schöne Zeit und ich konnte mir ja auch vieles so flexibel gestalten wie ich wollte. Natürlich war das alles deswegen nicht mit einem 8-10 Stunden Job zu vergleichen . ( wobei : ist ein Kind nicht ein 24 Stunden Job ? Langeweile hatte ich zumindest trotzdem nie während der Elternzeit)

Nun muss nur das alles gemacht werden während ich meine 30 Stunden arbeite! Das ist der Punkt. Wo ich dann Zeit für diesen Blog , für uns als Paar oder sogar für mich alleine finden soll ist mir schleierhaft. Hat da jemand Tipps? 🙂 🙂

Wir werden alles immer wieder neu planen müssen. Und sobald einer krank wird oder das Auto streikt, kippt unser Kartenhaus zusammen. Denn wir haben keine planbare und zuverlässige Unterstützung seitens unserer Familien aufgrund von eigenen Berufstätigkeiten.

Ich habe gelernt, die Dinge auf mich zukommen zulassen. Vielleicht geht das Auto ja auch im Urlaub des Mannes kaputt 🙂 ( der Urlaub, den mein Mann nehmen muss , weil LittleOnes Tagesmutter Urlaub hat und ich gerade im Job anfange ÜBRIGENS!) oder keiner wird krank ( ha ha ha )

Warum tun wir uns das an?

Wenns doch jeder so macht, warum tun wir uns den Stress an? Warum mache ich es nicht einfach wie alle Muttis und gehe 2-3 Tage die Woche mal Vormittgas etwas arbeiten?

Ich sag mal so: Weil wirs können!

Wir können uns aussuchen, wie wir arbeiten wollen, dank Teilzeitbefristungsgesetz.

Natürlich habe ich Sorgen nichts mehr von meinem Kind zu haben, aber mit 2 Kindern wirds nicht einfacher mit der Vereinbarkeit. Also versuchen wir es jetzt einfach wie es klappt.

Der Zweite und wichtigste Punkt : weil wir das Geld gut gebrauchen können.

Muttis Taschengeld füllt vielleicht den Kühlschrank , aber reicht nicht mehr, um coole Urlaube zu machen oder unser neues Haus , was wir nächstes Jahr beziehen werden, hübsch zu machen.

Wenn man immer nur das macht, was alle machen, kann man auch nur das erreichen, was alle erreichen.

Der Plan

LittleOne geht nicht viel mehr Stunden zur Tagesmutter als bereits jetzt schon. Sie wird jeden Tag um 14 Uhr abgeholt.

Ich habe 2 freie Nachmittage die Woche. Auf die kann ich so Sachen wie Arzttermine oder Kinderturnen legen. Ansonsten habe ich zwischen 16 uhr und 19 Uhr Feierabend.

Mein Mann verkürzt seine Arbeitszeit auf 32 Stunden und hat dank seines tollen und wirklich familienfreundlichen Arbeitgebers einen Tag Homeoffice.

Er muss nun mithelfen die Vereinbarkeit von Job und Kind zu schaffen. Ich glaube uns nennt man dann 50/50 Eltern, da wir vorhaben alles irgendwie mal mehr mal weniger halb halb aufzuteilen.

Nicht nur für mich wird es eine Umstellung, sondern auch für ihn. Ich glaube ihm ist das noch nicht so ganz bewusst.

Müssen die Kinder krank abgeholt werden oder ist irgendwas Organisatorisches, werde ich angerufen . …. Bin ich abends allein unterwegs… werde ich zögernd gefragt , wo denn die Kinder seien, während mein Mann problemlos tagelang auf Geschäftsreise fahren kann und sich abends Gin Tonic in den Kopf schrauben kann , dort aber niemand wissen will, wer sich in der Zwischenzeit um die Kinder kümmert.

Rike Drust ” Muttergefühle, Neues Kind Neues Glück

Ob meine Vorstellungen wahr werden oder sich anders bewahrheiten werde ich dann sehen und berichten…

Mein Arbeitszeitfaktor habe ich bis August 2020 befristet. Danach werden wir weiter sehen….

Die liebe Vreni hat dazu auch einen interessanten Blogpost verfasst – schau vorbei !