Uniklinik Essen Kaisergeburt
Kreißsaal

Gegenüber Ärzten habe ich ehrlich gesagt ein übertriebenes Maß an Misstrauen. Ich bin so ein Patient , der viel hinterfragt und dadurch oft aneckt. Für die Geburt meines zweiten Kindes hatte ich konkrete Vorstellungen und Anforderungen – keine Wünsche sondern Anforderungen . Daher war es bis zum Mutterschutz immer noch unklar wo ich entbinden werde , da mir einige Kliniken einfach nicht zusagten .

Eine halbe Stunde zu spät kam ich am 04.02.2020 an. Die Uni Klinik Essen ist ca 50km von meinem Wohnort entfernt. Seitdem unsere Geburtsstation im örtlichen KH geschlossen wurde müssen sich Schwangere nun außerorts nach einer passenden Klinik umschauen.

Das Parkplatzangebot ist eine Katastrophe! Mehrere Gebäude reihen sich aneinander und hintereinander. Ich als Kleinstadtmensch war an diesem Tag total überfordert mit diesem Uni Klinik Ding. Ne das wird nix mit uns- dachte ich.

Dabei hatte ich große Hoffnungen in Essen gesetzt. Hier kann man seit 2014 sein Kind per sogenannter Kaisergeburt zur Welt bringen. Dies ist nichts anderes als ein Kaiserschnitt, aber es soll angelehnt sein an die spontane Geburt.sein.

Bei der sogenannten „Kaisergeburt“ dürfen Sie zuschauen, wie Ihr Kind durch die Bauchdecke den ersten Schritt in´s Leben geht- Sie befinden sich nicht mehr hinter einer „Wand“, die Sie vom OP-Feld trennt, sondern Sie werden in die Kindsentwicklung aktiv integriert und dürfen dabei direkt zuschauen. Der Vater darf die Nabelschnur durchtrennen wie bei einer vaginalen Geburt. Das Neugeborene wird, wenn es keine Anpassungsschwierigkeiten hat, sofort auf Ihre Brust gelegt – es wird von Ihrer Körperwärme, dem ihm bekannten Herzschlag  und dem direkten Hautkontakt mit Ihnen profitieren. Nachgewiesenermaßen führt dieses frühe Bonding zu einer verbesserten Anpassung des Kindes, zu einer besseren Atmung und zu einer intensiveren Mutter-Kind-Bindung.

Uni Klinik Essen

Das Bonding war mein Kernthema auf der Suche nach einer passenden Klinik. Bei LittleOne ging es ziemlich verloren. Ich habe sie erst gewaschen und angezogen bekommen. Mein Mann konnte dafür direkt bei der U1 dabei sein, aber für mich war da etwas was fehlte. Ja ich hatte auch den Gedanken : Ist das wirklich MEIN Kind?

Das Geburtsplanungsgespräch

Perfekt durchstrukturiert wurde mir eine Mappe mit wichtigen Infos und zu unterschreibenden Formularen ausgehändigt . Zum Beispiel Einverständnis zum Hörtest und weitere Tests , die mit meinem

Neugeborenen nach der Geburt gemacht werden können .Meine Daten gab ich bei der sehr netten Schwester an. Noch war ich in diesem „ ich schau mir das hier erst mal an „ Modus.

Kaum war ich damit fertig bat mich die leitende Oberärztin herein zum Gespräch . Lange warten musste man schon mal nicht ! Super !

„ Ich möchte einen Kaiserschnitt und zwar so nah wie möglich am ET und mein Baby soll direkt zu mir gelegt werden „ begann ich , wohl vorbereitet mich gleich über den von mir gewählten Geburtsmodus rechtfertigen zu müssen.

„ Kein Problem dann würde ich sagen wir nehmen einfach den errechneten Termin als Termin für die Entbindung ? In diesem Haus führen wir die Kaisergeburt durch . Ihr Kind wird langsam aus der Gebärmutter rausgeholt . Sie können dabei zusehen, denn wir werden dafür den Vorhang senken. Anschließend lassen wir gerne noch die Nabelschnur auspulsieren während das Kind auf ihrem Arm liegt. Wenn Sie dann zugenäht werden bleibt ihr Kind die ganze Zeit bei Ihnen. Das ganze wird bei gedimmten Licht im OP stattfinden. Natürlich ist die direkte OP Beleuchtung noch an. “

Keine Rechtfertigung, und zudem auch noch GENAU das was ich wollte! Ich war wirklich sprachlos! In einer anderen Geburtsklinik wollte man sich nämlich so gar nicht auf eine Entbindung am ET einlassen und das sofortige Bonding.

Die leitende Oberärztin hat mich mit ihrer emphatischen Art direkt überzeugt, dass dies dann doch der Geburtsort meines 2. Kindes werden soll. Sie war sehr zugewandt und hat mir auch noch weitere Fragen beantwortet.

” Ich möchte , dass Sie mich operieren”sagte ich . Sie versprach mir zumindest bei der OP als 2. operierender Arzt dabei zu sein , denn Privatpatienten operiert der Chefarzt persönlich.

Meine private Krankenzusatzversicherung hat sich schon mehrfach ausgezahlt!

Der Tag der Geburt

Es ist sehr komisch aufzuwachen und zu wissen , dass man in wenigen Stunden sein Kind auf dem Arm halten wird. Ich habe geplante Kaiserschnitte früher immer kritisch beäugt und absolut abgelehnt.

Jetzt bin ich selber so eine, die ihr Kind ungefragt aus dem Bauch rausholen lässt.

Achtung Spoiler : die primäre Sectio , wie man den geplanten Kaiserschnitt nennt , war im Vergleich zur sekundären Sectio super entspannt und für meine Bedürfnisse genau richtig gewählt !

Morgens um 5 Uhr haben wir LittleOne bei ihrer Tagesmutti abgegeben und sind überpünktlich gegen 6 Uhr in Essen angekommen.

Zuerst durfte ich mein Zimmer beziehen. Danach gab es Thrombose Strümpfe und das schicke OP Hemdchen an und dann warteten wir…

…. bis jemand kam um mich in den Kreissaal zu schieben. Immer noch ganz surreal war die Vorstellung , dass gleich mein Kind auf die Welt kommt .

Dort wurden mir dann Zugänge gelegt und ein CTG geschrieben.

Vorbereitungen für die OP

Anschließend ging es durch die Patientenschleuse in den OP, der im Kreissaal ist.

OP Kreissaal Uni Klinik Essen
Patientenschleuse im Kreissaal der UniKlinik Essen

Mein Mann musste draußen warten kam aber, als ich fertig war, dazu um das Geburtserlebnis zu teilen.

Etwas sehr beunruhigend war das Setzen der Spinalanästhesie . Da brauchte der wirklich sehr nette Anästehsist ein paar Anläufe und eine neue Nadel… Ohje da hatt ich dann ordentlich muffensausen. Im Vergleich zur ersten Geburt fühlte sich die Betäubung an wie beim Zahnarzt . Ich merkte noch was aber keine Schmerzen .

Wie versprochen war die leitende Oberärztin mit dabei und operierte mich zusammen mit dem Chefarzt.

Ruckzuck wars dann soweit. Und was soll ich sagen…

Ich hab das Kind gesehen wie es rausgeholt wurde. Die Nabelschnur wurde auspulsiert und so wie es war kam es direkt zu mir. Die lt. Oberärztin hat nicht zuviel versprochen. Dieses Erlebnis war für mich quasi heilsam. Mein Junge war mir nicht fremd und ich bin überzeugt, dass dieses Geburtserlebnis auch dann dazu führte, dass Stillen direkt klappte und mein Wochenbett ohne große emotionale Katastrophen verlief.

Wochenbettstation Uni Klinik Essen

Auf der Wochenbettstation lag ich 5 Tage . Eigentlich hätte ich noch 2 Tage länger dort bleiben können, aber ich wollte auch nach Hause zu meiner Tochter und meinen Mann . Auf das Wochenbett hatte ich mich vorher recht gut vorbereitet und konnte erahnen wie es im Krankenhaus sein wird. Denn die ersten Tage konnte ich gar nix aufgrund der Schmerzen.

Um mich wurde sich sehr gut gekümmert! Direkt am selben Abend der OP bat ich um Hilfe beim Mobilisieren. Leider hab ich es nur bis zum Hinsetzen auf die Bettkante geschafft.

Am nächsten Tag kam der Chefarzt zur Visite und ich wurde von einer Schwester und Hebamme weiter beim Mobiliseren unterstützt. Am 3. Tag konnte ich mein Kind selber versorgen mit Wickeln und anziehen. Die Tage davor haben die Säuglingsschwestern das für mich übernommen. Ein Anruf genügte und jemand kam.

Das einzige, was mich störte war, dass ich bei 2 Untersuchungen meines Babys nicht dabei sein konnte weil ich aufgrund des Kaiserschnittes zu starke Schmerzen und Kreislaufprobleme hatte. Ich hab ja immer Horrorvorstellungen, dass mein Kind vertauscht wird. Aber die Untersuchungen waren schnell erledigt und die Säuglingsschwestern kamen beide Mal mit demselben Baby wieder 🙂

Abendbrot auf der Wochenbettstation

( Fast) kein Besuch

Bereits vor der Coronakrise hatte ich beschlossen keinen Besuch , außer meinen Mann und meine Tochter, zu empfangen. Das war die beste Entscheidung. So viel Ruhe wie in den 5 Tagen hatte ich ewig nicht mehr. Bei LittleOne kam damals ständig Besuch, was uns LittleOne dann mit einer schlafslosen Nacht mit viel Geweine quittierte. Ich war dauergestresst und hatte damals so meine Startschwierigkeiten…

Ich kann nur JEDER Mama empfehlen auf Besuch zu verzichten! Später zu Hause spielte der Coronavirus uns in die Karten und auch da blieb der Babybesuch aus . Dies ist natürlich sehr schade für die Angehörigen, aber für mich persönlich war das genau richtig so!

Am letzten Abend bekam ich aber unangemeldeten Besuch. Die leitende Oberärztin besuchte mich auf meinem Zimmer. Ich war so überrascht und sehr erfreut darüber. Denn das Ärztepersonal hat für solche Besuche eigentlich gar keine Zeit. Eine halbe Stunde saß sie bei mir und wir sprachen über die Geburt und dieses und jenes. Eine ganz tolle Frau die ihren Beruf mit Leidenschaft ausübt. Übrigens war sie es, die die Kaisergeburt nach Essen geholt hat. Inspiriert durch die Charité in Berlin, die diese bereits länger durchführen.

Die Geburt behalte ich in bester Erinnerung und eine neue Narbe ( angeblich schönere laut Ärzte ) bleibt als lebenslänglicher Beweis .

Ein großes Danke möchte ich an Josi vom Kanal Josiwiba aussprechen . Durch sie und ihr Video habe ich erst erfahren dürfen , dass es die Kaisergeburt überhaupt gibt ! DANKE

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