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Als meine Elternzeit langsam endete habe ich mich sehr mit dem Thema Fremdbetreuung beschäftigt . Wird mein Kind einen Schaden davon tragen von einer fremden Person tagtäglich betreut zu werden ? Viele Eltern fragen sich das und ich möchte hier mal meine Erfahrungen zum Thema Fremdbetreuung bei unter 3 jährigem Kindern teilen .

So haben wir fremdbetreuen lassen

Wie in diversen Blogpost beschrieben, zb

haben wir 35 Stunden bei einer lieben Tagesmutter gebucht. Die Eingewöhnung war bereits 1 Monat vor meinem Arbeitsbeginn abgeschlossen .

Von 8:30Uhr bis 15 Uhr ( ursprünglich war 14 Uhr gedacht aber das passte nicht zum langen Mittagsschlaf und unseren Arbeitszeiten ) wurde LittleOne zusammen mit anderen kleinen Kindern von ihr betreut . Also 6,5 Stunden täglich .

Unsere Erfahrungen

Nach einer wirklich intensiven aber auch unproblematischen Eingewöhnung ging LittleOne zuverlässig zur Tagesmutter als ich meinen 30 Stunden Job im Juli 2019 antrat. Mittlerweile stehe ich kurz vor dem Mutterschutz daher schreibe ich “antrat”.

Positives berichten kann ich aufjedenfall. Meine Tochter war ausgelastet und hat schnell neue Sachen gelernt . Zum Beispiel mit Löffel und Gabel essen , aus dem Becher trinken ,neue Wörter usw .

Ob sie das nicht auch so bei mir Zuhause eh gelernt hätte kann ich nicht einschätzten .

Die Tagesmutter hat den Kleinen viel geboten . Fingerfarben malen , Eier bemalen , Kusselkopp üben , einmal die Woche zum Spieletreff bei der Kirche , kneten mit selbst gemachter Knete , pummelzwerge backen uvm

Zusätzlich ist sie natürlich regelmäßig mit den Kindern an die Luft gegangen . Positiv finde ich auch , dass sie einen Hund hatte . Ich bin total dafür das Kinder mit Tieren in Kontakt kommen .

So aber wie siehts nun mit LittleOnes Emotionen aus? Sie umamrmt die Tagesmutter und geht bei ihr auf den Arm & Schoß. Das zeigte mir , dass sie sie definitiv als Bezugsperson angenommen hatte was mich echt beruhigt.

ABER:

Ein 6-7 Stunden Tag bei der Tagesmutter oder auch KITA ist ein echter Job für die Kinder. So oft habe ich LittleOne abgeholt und sie war fix & fertig. Zum Teil auch unleidlich, obwohl sie bei der Tagesmutter Mittagsschlaf macht.

Als ich zu dem Thema durchgegoogelt hatte bin ich dazu auf eine Interessante These gestoßen. Kinder, die nach einem langen Tag in der KITA oder Tagesmutter Zuhause weinerlich, quengelig oder halt einfach unleidlich werden , haben tagsüber soviel emotionalen Stress gehabt, dass dieser nun abfällt und sie sich quasi emotional entladen .

Folgende Artikel beschreiben das Verhalten der emotionalen Krise nach der Kita / Fremdbetreuung:

Focus vom 7.1.20

MamiBloggt vom 05.09.2019

Familienleben.ch von Dezember 2018

Außerdem habe ich beobachtet, dass mein Kind wirklich sehr oft krank wurde seitdem es tagtäglich mit anderen Kindern zusammen ist. Bindehautentzündung, Hand-Mund-Fuß, 3- Tage Fieber und Mittelohrentzündung… Ich frage mich, ob das der Kontakt mit anderen Kindern auslöste oder der Stress? Oder der Mix aus beidem?

In meiner Elternzeit habe ich auch 3mal die Woche Babytreffs besucht und LittleOne war lange lange nicht so krank wie die letztens Monate.

Dazu hat das Internet auch verschiedene Aspekte zu bieten und da gehen die Meinungen total auseinander.

Meine Meinung Fremdbetreuung Schaden oder Nutzen?

Erst mal finde ich es wirklich schwierig zu sagen, das Kinder einen Schaden erhalten wenn sie bereits vor dem 3. Geburtstag fremdbetreut werden. Sehr viele Eltern können es sich finanziell einfach nicht leisten komplette 3 Jahre Zuhause zu bleiben und auf ein Einkommen zu bauen . Oft reicht ein Einkommen ja heutzutage nicht mehr aus um Miete, Strom, Lebensmittel und ein klein wenig gutes Leben zu bezahlen.

Außerdem gab es Zeiten zb. in der DDR wo frühe und lange Fremdbetreuung normal war und all diese Menschen sind mit Sicherheit nicht Patienten beim Psychiater geworden.Auch noch heutzutage in Frankreich, Belgien und der Schweiz muss die Mutter zum Teil schon ihr Baby abgeben, was nicht mal krabbeln kann. Also ist diese frühe Fremdbetreuung nicht unüblich!

Daher möchte ich vorab sagen: Wer auf die Fremdbetreuung wirklich angewiesen ist darf sich nicht schlecht dabei fühlen. So war es bei uns nämlich auch, da wir keine Omas haben, die in der Lage wären das Kind den ganzen Tag zu versorgen.

Der Nutzen liegt ganz klar darin, dass das Kind mit Gleichaltrigen zusammen ist und von denen auch eine Menge abschaut und lernt. Meine Tochter hat in ihrer Tagesmutter eine vertraute Bezugsperson gehabt bzw. hat sie immer noch. Während mein Kind altersgerecht betreut, bespaßt und versorgt wird kann ich Geld verdienen um was zum Familieneinkommen beizusteuern.

ABER:

Die Dosis macht das Gift

Einen echten Schaden hat meine Tochter natürlich nicht bekommen. Dennoch war sie mit 6,5 Stunden täglich Fremdbetreuung deutlich ausgelastet und zum Teil halt echt fertig. Nicht nur die Nörgelattacken am Nachmittag , sondern auch das dann ständige krank sein haben mir gezeigt, dass es zuviel war. Ja es war meiner Meinung nach zu viel.

Auch wenn sie Kind sein darf und sich bei der Tagesmutter entfalten darf und dort auch gerne hingeht ist die Fremdbetreuung ein Job und der ist für sie aufgrund dieser Regelmäßigkeit echt anstrengend gewesen.

Mittlerweile lassen wir sie 2 Tage Zuhause, da ich ja den Luxus des Mutterschutzes bzw. Urlaub 2020 vor dem Mutterschutz genieße.

Vielleicht liegt das ständige krank sein einfach daran, dass sie sich alles einfängt unabhängig von ihrem Stresslevel einfängt. Kann sein. Aber das Gefühl hatte ich nicht. Ich hatte auch 2-3 mal die Situation, dass sie weder richtig krank noch richtig gesund war. Mein Job aber erledigt werden musste und ich sie mit sehr schlechten Gewissen abgab mit dem Gedanken : Ach Mensch , wenn ich nicht arbeiten müsste, würde ich dich gerne Zuhause behalten .

Spontane Urlaubstage waren ja nicht vorhanden, da wir den Urlaub der Tagesmutter damit abdecken mussten. Überstunden? Für Überstunden war kaum Möglichkeit, da der Nachmittag ja mit dem Kind verbracht wurde. Auch wenn mein Mann und ich uns echt super mit unseren Jobs und Abholzeiten aufgeteilt hatten.

Ich finde so kleine Kinder sollten diesen Stress nicht aushalten müssen. 4-5 Stunden tägliche Fremdbetreuung wäre ein Maß was ich aus meiner persönlichen Erfahrung als angemessen betrachte für ein 1-2 jähriges Kind.

Aussuchen kann sich das aber nicht jeder und das finde ich wirklich traurig.

Blick in die Zukunft

Bis 2022 bleibe ich Zuhause. Der Luxus auf eine 2jährige Elternzeit lässt mich das ganze nun flexibel gestalten. LittleOne bleibt 2 volle Tage Zuhause . Aktuell ist die Tagesmutter krank, daher ist sie sogar mehr im Moment Zuhause. Gott sei Dank fällt dieser Struggle weg ” Wohin mit meinem Kind , ich muss arbeiten!” Das entstresst mich und meinen Mann zusätzlich auch noch.

Mit dann bald 2 Kindern unter 2 wird es knackig werden, aber irgendwie machbar. Der Babyjunge wird dann tatsächlich mit 1 in die Fremdbetreuung gehen obwohl ich Zuhause bin.Shame on me Aber nur wenige Stunden! Wenn die These stimmt, dass die Kinder sich nicht wegen dem Stress in der KITA oder bei der Tagesmutter jegliche Krankheiten einfangen, sondern einfach, weil sie mit so vielen Personen in Kontakt treten , kann er sich dann mal alles an Land ziehen und ich ihn jederzeit Zuhause intensiv auskurieren lassen. Ohne immer den Job im Nacken zu haben und den x. Kinderkrankenschein einzureichen.

Nach meiner Elternzeit werde ich mich zusammen mit meinem Mann neu finden müssen was den Job angeht. Wir wollen anfangen mit wenigen Stunden, um den Partnerschaftsbonus des Elterngeldes mitzunehmen. Ich hoffe wir können es so stricken, dass beide Kinder maximal 25 Stunden betreut werden.